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Telematik-Tarife: Wegbe­reiter für die Ver­sicherungs­branche

Die Evolution von Telematik-Endgeräten in der Versicherungsbranche ist Teil eines Umbruchs, der hier gerade vonstattengeht. Dabei sind Telematik-Tarife mehr als eine Versicherung mit integrierter Black Box.

Lassen Sie mich mit einer Frage starten.
Würden Transformer (Sie wissen schon, diese Roboter, die sich in Autos verwandeln) eine Lebensversicherung kaufen? Oder wohl eher eine Kfz-Versicherung?

Transformer sind Millionen von Jahre alt, was bedeutet, sie müssten eine riesige Prämie für ihre Lebensversicherung bezahlen – andererseits sind sie aber auch fast unkaputtbar. Es besteht also ein sehr geringes Risiko, nicht wahr? Sie leben sehr sehr lange. Außerdem können sie sich in neuere Autos verwandeln, sie benötigen keinen zusätzlichen Fahrer, keine Ersatzteile, usw.

Ich denke Sie sehen, worauf ich hinauswill. Welche Police wäre also aus Ihrer Sicht die richtige? Wie könnten Sie dies am besten bestimmen?

Eines sollten Sie hierbei allerdings nicht vergessen: Als Roboter können Transformer alles, was ihnen passiert, sammeln, aufzeichnen und teilen, jede Sekunde am Tag. Stellen Sie sich vor, was das für Sie als Versicherer bedeuten würde, wenn Sie Zugang zu diesen Infos hätten. Sie könnten sehen, ob Ihre Kunden sich in gefährliche Situationen begeben, in denen sie ihr Leben riskieren. Und ob sie umsichtig oder waghalsig fahren.

Und jetzt denken Sie daran, wie Menschen und Technologie immer mehr miteinander verschmelzen. Der Unterschied zwischen diesen fiktiven Robotern, die alle Daten sammeln und zur Verfügung stellen, und dem aktuellen Status Quo wird immer geringer.

Die Realität im Wandel

Im Jahr 2013 stellte der Komiker Rowan Atkinson einen Rekord auf, der ganz und gar nicht zum Lachen war. Besonders aus Sicht seines Versicherers. Nachdem sein äußerst seltener McLaren F1 2011 dank Aquaplaning von der Straße rutschte und in einem Baum landete, zahlte sein Versicherer rund $1,2 Millionen für die Reparatur. Von den laufenden Kosten für die Bearbeitung mal ganz abgesehen! Aber am Ende des Tages, tat die Versicherung, was die Versicherungsindustrie seit jeher macht: Gegen wirtschaftliche Schäden absichern. An dieser Rolle hat sich, seitdem das erste Versicherungsunternehmen 1752 gegründet wurde, nicht viel verändert.

Aber, Zeiten ändern sich.
Heutzutage unterstützen innovative Technologien Organisationen wie Ihre dabei, ihre Kernabläufe neu zu gestalten.

Angefangen bei der Bündelung Ihrer Angebote als Wachstumstreiber (sowohl in Bezug auf Differenzierung als auch auf Profitabilität), über die Verbesserung der Kundenbindung, die Entwicklung neuer Angebote, der Einbindung von Automatisierungen, bis hin zu besseren Analysen und immer höherer Datensicherheit.

Um nur ein paar zu nennen.

Moderne Technologien helfen der Versicherungsbranche bei der Umstellung weg von produktbezogen hin zu kundenbezogen – von reaktiv zu proaktiv. Ein wichtiger Schritt, insbesondere vor dem Hintergrund, dass das Vertrauen der Öffentlichkeit zu einer immer wichtigeren Sorge von Versicherungs-CEOs auf der ganzen Welt wird.

Dies gilt insbesondere für die jüngeren, digital-affinen Kunden.

In Anbetracht der Tatsache, dass deren Daten in die „Cloud“ gehen und zwischen unterschiedlichen Agenturen geteilt werden, müssen Ihre Kunden sich sicher sein, dass Sie Ihr Bestes tun, um die Daten zu schützen. Gleichzeitig erwarten sie individuelle Lösungen, die ein unterschiedliches Maß an Kontrolle für ihre Abdeckung bieten (ein weiterer Aspekt von Vertrauen).
Aber genau diese Technologie ermöglicht es Ihnen, Ihre Kunden in den Mittelpunkt Ihrer Bemühungen zu stellen. Ihre Wünsche und Bedenken zu verstehen. Da zu sein, wenn Sie gebraucht werden.

Das ist auch der Grund, warum es so wichtig ist, Ihre Kunden zu fragen, was sie wollen und nicht nur Produkte zu entwickeln, von denen Sie selbst glauben, dass sie nützlich sind. Gehen Sie raus und finden Sie heraus, was Ihre Zielgruppe will – und hören Sie auf, ihnen vorzuschreiben, was sie aus Ihrer Sicht benötigen.

Und genau darin liegt der Umbruch: Technologie, Daten und Wissen stehen bereit, Ihr Business zu verändern. Vom Anbieter „reaktiver“ Lösungen hin zu einem Unternehmen, dass Risiko-Management Services anbietet. In Zukunft geht es darum, Verluste zu vermeiden, indem Sie für Gesundheit und Sicherheit Ihrer Kunden sorgen.

Was uns zurück zu der Auszahlungssumme von $1,2 Millionen bringt.

Neben der Tatsache, dass dies ein ungewöhnlich hoher Betrag für eine einzige Autoreparatur ist, ist es Startpunkt für einen größere Diskussion. Wenn es Ihnen möglich gewesen wäre, was hätten Sie getan, um die Kosten zu senken und Ihren Kunden zufrieden zu stellen?
An dieser Stelle sind Telematik-Geräte ein echter Game-Changer.

Telematik: Mehr als eine Black Box

“Generell kann man sagen, am erfolgreichsten ist derjenige, der die besten Informationen hat.“
– Benjamin Disraeli

Allein für Autos können Telematik-Geräte extrem detaillierte Informationen sammeln:
GPS-Daten, Kraftstoffverbrauch, Batteriezustand, Fahrstil des Kunden (zu schnell, bremst zu stark), Motorleistung, wo gefahren wird und wie weit, Verkehrsumstände, wer das Auto fährt und vieles mehr.

Diese konkreten Daten helfen Ihnen dabei, Policen zu individualisieren und Prämien zu berechnen. Gleichzeitig erhalten Ihre Kunden Informationen (basierend auf ihrem Fahrverhalten) anhand derer sie Policen auswählen können, die ihrem Bedarf entsprechen.

Je besser sie fahren, desto mehr Vergünstigungen erhalten sie und desto geringer fallen Ihre Auszahlungen aus.

Aber wenn wir heutzutage über Telematik-Geräte sprechen, geht es schon lange nicht mehr nur um Autos. Wir sprechen darüber, Informationen über den Lebensstil zu sammeln. Denn allein die Tatsache, dass 2020 bereits 70% aller amerikanischer Kfz-Versicherer Telematik-Tarife anbieten zeigt, dass der Markt reif für Diversifikation ist.

Heutzutage sind immer mehr Produkte mit dem Internet verbunden (Internet of Things). Telefone, Uhren, Futterautomaten für Haustiere, TV-Geräte, Heizungen und sogar Kühlschränke. Sie alle erleichtern es, Daten zu teilen, zu vergleichen und zu analysieren. Anschließend können die Daten verwendet werden, um die Entwicklung innovativer Lösungen anzuleiten.
Und das geschieht bereits. Die Zahnbürsten von Beam Dental können sagen, wie oft und wie lange ein Kunde Zähne putzt. Die „Vitality“ Lösung von John Hancock zeichnet die Lifestyle-Gewohnheiten der Nutzer anhand einer mobilen App auf.

Was kann Ihr Unternehmen beitragen?

Vorbeugen ist besser als heilen

An diesem Punkt helfen Ihnen Telematik-Geräte dabei, Ihren Kunden so nahe wie nie zuvor zu sein. Eine Entwicklung, in der Sie als Versicherer eine aktive Rolle übernehmen.

Moderne Telematik-Geräte liefern Daten, die Ihnen dabei helfen, Policen und Versicherungsforderungen festzulegen. Die Geräte von morgen werden Ihnen sogar ermöglichen, direktes Feedback zu geben und Vorschläge zu machen. Wenn Sensoren eine erhöhte Aquaplaning-Gefahr anzeigen, während Ihr Kunde mit seinem McLaren F1 unterwegs ist, kann dieser eine Warnung angezeigt bekommen. Wenn die Sensoren dann erkennen, dass er nicht abbremst oder zu schnell um die Kurve fährt, kann dies Auswirkungen auf seine Auszahlung haben.

Wenn ein Geschäftskunde gegen Raub und Diebstahl versichert ist, können solche Geräte Warnungen senden, wenn Tore nicht abgeschlossen sind oder der Bewegungsmelder anspringt. Und letzten Endes bekommen Sie als Versicherer eine Meldung, dass etwas nicht stimmt. Dasselbe gilt auch für Wasser- und Frostschäden. Sensoren können Sie und Ihre Kunden vor Temperaturschwankungen warnen zum Beispiel, wann es Zeit ist Schnee zu räumen oder das Wasser abzudrehen – und ob dies gemacht wurde oder nicht.

Das kann dann je nachdem zu einer Vergünstigung oder einer zusätzlichen Zahlung führen.
Wenn die Zahnbürste Ihnen anzeigt, dass Ihr Kunde regelmäßig und gründlich seine Zähne putzt, können Sie ihm eine niedrigere Prämie anbieten.

Wenn die Fitbit-Daten zeigen, dass Ihr Kunde selten aktiv ist, schicken Sie ihm eine Erinnerung, dass er mit einem gesünderen Lebensstil bei einer Vertragsverlängerung 20% einsparen kann.

Das bedeutet, dass Sie eine deutlich aktivere Rolle im Verhalten Ihrer Kunden einnehmen. Sie können flexiblere Policen entwickeln, die sich je nach Nutzung und Risiko verändern. Oder Sie kreieren individuelle Erfahrungen, die weniger bürokratischen Aufwand bei der Antragsstellung erfordern und von KI oder Chatbots durchgeführt wird.

Künstliche Intelligenz (KI)

Auf den Kern heruntergebrochen ist künstliche Intelligenz (KI) eine Zusammenstellung technologischer Tools, die dazu genutzt wird, (oftmals grundlegende) Aufgaben zu übernehmen. Akkurat und schnell, ohne zu übermüden oder Überstundenausgleich zu benötigen. KI ist höchst effizient, wenn es darum geht, Betriebsabläufe zu verbessern und Kundenverhalten zu analysieren, um Aussagen über Verhalten und Vorlieben zu machen.

Die KI kann dann über Chatbots individuelle Angebote unterbreiten. Ebenso kann sie nützlich sein, wenn es um die Auswertung von Telematik-Daten geht und Schlussfolgerungen bezüglich passender Prämien ziehen.

Falls es Sie interessiert, wie KI genutzt werden kann, empfehle ich Ihnen dieses Whitepaper von Deloitte:
From mystery to mastery: Unlocking the business value of Artificial Intelligence in the insurance industry.

Eine weitere Folge könnte sein, dass Sie neue Partnerschaften eingehen werden (wollen), um neue Geräte für bestimmte Industrien und Kundenansprüche zu entwickeln.

“In den kommenden 10 Jahren werden Versicherer immer mehr mit Plattformen und Partnerschaften experimentieren – sie werden sich zum Beispiel mit Autoherstellern zusammentun, um Absicherungen für Neuwagen anzubieten, oder mit Smart Home Herstellern und Bauträgern gewerblicher Immobilien, um Versicherungsbedingungen an sensorgesteuerte Daten in Echtzeit zu koppeln.“
Deloitte 2020 insurance industry outlook

Daten – der Treiber hinter Telematik-Tarifen

Die Daten, die von Telematik-Geräten gesammelt werden, sind unglaublich wichtig und werden unerlässlich, wenn es darum geht, Schadenansprüche zu verwalten, Preise für Policen und Services festzulegen und zielgruppenspezifische Sales- und Marketingansprache zu gewährleisten. Diese Daten können außerdem eine wichtige Rolle bei der Erstellung von Kundenübersichten spielen.

Das Verbinden von Telematik-Daten mit bereits vorhandenen Kundendaten verhilft Ihnen außerdem zu einer besseren Risikoeinschätzung (und den entsprechenden Preis).
So können Sie Produkte und Services entwickeln, die für Ihre Kunden wirklich relevant sind.

Und das nicht nur anhand von Einzelfällen sondern anhand von Durchschnittsdaten aller Nutzer dieser Geräte. Wenn Sie Versicherungsprämien noch immer anhand selbst berichteter Informationen kalkulieren, basiert vieles auf Aussagen wie: „Aber er hat gesagt, dann hat sie gesagt…“
Solche Daten zu validieren und verifizieren kann arbeitsintensiv und kostspielig sein.

Wohingegen Sie anhand der Daten von Telematik-Geräten ein genaues Bild des Unfalls oder der schlechten Lebensgewohnheiten bekommen. Wenn ein Kunde also sagt, er sei ein vorsichtiger Fahrer, die Daten aber etwas anderes zeigen, können Sie anhand dessen die Schadensabwicklung steuern oder seine Prämie anheben.

Nichtsdestotrotz zeigen aber auch die Telematik-Daten nicht immer das Gesamtbild. Nur weil jemand seine smarte Zahnbürste nicht benutzt heißt das nicht, dass er sich die Zähne nicht putzt.
Wenn wir über Daten sprechen, müssen wir natürlich auch das Thema Vertrauen im Auge behalten.

Bevor Sie einen Telematik-Tarif einführen, müssen Sie Vertrauen schaffen

Das Sammeln von Daten in diesem Maß schürt bei Ihren Kunden natürlich Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und der Privatsphäre. Zweifelsohne fühlt sich nicht jeder wohl bei dem Gedanken, seine täglichen Gewohnheiten mit einem Dritten zu teilen. Dabei ist es fast egal, ob es sich dabei um das Fahr- oder Sportverhalten handelt und verstärkt sich noch, wenn sie dafür unbekannte Technologien nutzen müssen.

In Hinblick auf die jüngsten Fehler in Bezug auf den Verlust von Unternehmensdaten eine durchaus nachvollziehbare Sorge.
Wenn man weiß, dass 75% der Amerikaner sagen, es solle neue Regulierungen für Unternehmen in Bezug auf den Umgang mit Daten geben und 81% glauben, dass die Risiken der Datensammlung deren Nutzen weit übersteigen, wird klar, dass der Vertrauensaufbau zu einer der höchsten Prioritäten für Versicherungen wird.

Insurtech

Meist bekannt dafür, traditionelle Versicherungsmodelle zu disruptieren, nutzen Insurtechs innovative Technologien (wie Chatbots), um Services zu verbessern, Kosten zu senken und Prozesse zu optimieren. Sie können auch zu einem wertvollen Tool werden, wenn es darum geht, komplexe Daten auszuwerten – wie zum Beispiel Daten, die von Telematik-Geräten gesammelt werden.

Für einen kurzen Überblick über die Insurtech-Trends 2019-2020, kann ich Ihnen diesen KMPG-Report empfehlen: Insurtech 10: Trends for 2019.

Eine wirklich vernetzte Welt

Wir sind heutzutage so gut vernetzt, wie es für die Generationen vor uns unvorstellbar wäre.
Wir können mit unserem Handy prüfen, ob wir unser Auto abgesperrt haben und – wenn nicht – dies aus mehreren Metern Entfernung nachholen.
Wenn eine Kaltfront aufzieht, können wir unser Haus anweisen, die Heizung aufzudrehen.

Informationen, auf die Sie als Versicherer Zugriff haben, sobald Sie passieren.

Diese Vernetztheit führt nicht nur dazu, dass Sie bescheid wissen, wenn etwas schiefgeht und sich auf die Schadensforderung vorbereiten können. Sie können proaktiv eingreifen und den Schaden mindern oder sogar ganz verhindern. Hey Kunde, sperr dein Auto ab. Pass auf, dass deine Wasserleitungen nicht einfrieren. Beweg dich mehr. Und das nicht nur an dem Tag, an dem ihr Kunde die Police unterschreibt, sondern jeden einzelnen Tag der Laufzeit.

Das ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Insbesondere für Versicherer, die langfristig gesunde, vorsichtige und besonnene Kunden haben wollen.

Darin besteht die Zukunft der Versicherungsbranche: Vernetzte Partnerschaften, in denen positives Verhalten belohnt wird.

Aus diesem Grund werden Telematik-Geräte so wegweisend für die Versicherungsindustrie sein. Und aus diesem Grund müssen Sie innovative Wege finden, diese zu nutzen.

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