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Auswirkungen von Covid-19 auf die Retail- und E-Commerce-Branche

Dezember 2019.
Das Vorweihnachtsgeschäft läuft wie immer. Stressig. Weihnachtsfeiern überall. Die Wirtschaftslage ist gut. Die Arbeitslosigkeit niedrig. Alles bestens also, oder?

Leider nein, wie sich bald herausstellt.

Heute, im Dezember 2020, hat die ganze Welt bereits 10 Monate mit wiederkehrenden Lockdowns, Social Distancing Maßnahmen und anderen Regelungen hinter sich. Die globale Wirtschaft ist schwer angeschlagen. Eine Rezession wird immer wahrscheinlicher. Und es trifft jede Branche, insbesondere den Einzelhandel. Geschäfte bleiben geschlossen. Einige müssen für immer ihre Türen zusperren. Die Verbraucher geben immer weniger Geld aus. Und auch 2021 wird sich voraussichtlich zunächst nicht viel an dieser Situation ändern.

Restaurant, Cafés, Kinos, öffentliche Veranstaltungen. Sie alle leiden sehr unter der Krise. Selbst wenn die Regelungen wieder gelockert werden und die Einzelhandelsausgaben langsam wieder steigen, bleibt die Gefahr erneuter Lockdowns bestehen. Eine Tatsache, die wir hier in Deutschland gerade wieder erleben. Die Industrie wird Jahre benötigen, um sich davon zu erholen.

Natürlich gibt es auch Branchen, die weniger darunter leiden, dass die Verbraucher nun die meisten Zeit zu Hause verbringen. Der Onlinehandel wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 45%. Aber nicht jeder Online-Händler ist Amazon.

Aktuell sind mehr als 50 Millionen Amerikaner arbeitslos. Viele weitere sind in Kurzarbeit oder unterbeschäftigt. Mehr als 12 Millionen waren bis jetzt an Covid-19 erkrankt. In der EU wird 2021 eine Arbeitslosenquote von 8,6% erwartet. Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt bereits jetzt 17%. Dabei traf es Spanien und Italien am härtesten.

Aus nachvollziehbaren Gründen halten die Leute zum aktuellen Standpunkt an ihrem Geld fest. Auch wenn die Ferienzeit eigentlich eine leichte Besserung versprach, zerschlug der erneute Lockdown in Deutschland, der seit dem 16. Dezember gilt, diese Hoffnung. Und auch in Amerika könnte es ähnlich laufen. Laut der Boston Consulting Group könnte das Weihnachtsgeschäft dieses Jahr deutlich geringer ausfallen.

Die aktuellen Maßnahmen treffen den stationären Handel am stärksten. Lockdowns und Social Distancing Maßnahmen zwingen sie dazu, ihre Geschäfte zu schließen und ihre Mitarbeiter nach Hause zu schicken. Und auch der übliche Ansturm kurz vor Weihnachten, wenn es zu spät für Online-Bestellungen ist, wird zumindest in Deutschland und einigen weiteren EU-Ländern ausbleiben.

Das soll nicht heißen, dass man diese Situation in schwarz und weiß unterteilen kann. Es gibt viele Korrelationen zwischen dem stationärem und dem Online-Handel. Traditionelle Händler haben wohlmöglich einen starken Online-Auftritt. E-Commerce-Betreiber nutzen traditionelle Lieferketten. Aber wird dieser Zustand durch das Coronavirus auf den Kopf gestellt?

Das Coronavirus ist ein Game-Changer

Seit jeher konkurriert der stationäre Handel mit dem E-Commerce-Geschäft. Die Corona-Pandemie befeuert diesen Konkurrenzkampf – selbst, wenn beide Seiten mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen haben. Verlangsamte Arbeitsprozesse und Shutdowns. Verspätungen bei Produktion und Lieferung. Steigende Kosten und ausbleibender Umsatz. Lieferanten können Bestellungen nicht ausliefern oder die Regale nicht auffüllen. Steigende Konjunkturängste. Sie wissen, wovon ich spreche.

Es war ein hartes Jahr. Und im Schnitt kamen Online-Geschäfte etwas besser durch die Krise. Einige (ja, ich spreche von Amazon) deutlich besser als andere.

„Das Coronavirus gießt Benzin in einen Bereich des Einzelhandels, der ohnehin schon in Flammen steht. Amazon und eine Handvoll anderer sind die Nutznießer dieser Entwicklung.“
Doug Stephens, Autor von “Reengineering Retail: The Future of Selling in a Post-Digital World”.

Für den Großteil der Unternehmen wird das Jahr 2021 eine große Herausforderung darstellen.

Für den Einzelhandel:

Wir müssen weiterhin mit Lockdowns und Social Distancing Maßnahmen rechnen. Auch mit den zur Verfügung stehenden Impfstoffen wird sich daran so schnell nichts ändern. Die Lieferengpässe für Lagerware (sogenannte Corona-Vorräte) werden weiterhin bestehen. Auch das Risiko für Konkurse und Insolvenzen ist nach wie vor nicht zu unterschätzen. Zudem wird der Wettbewerb mit dem Onlinehandel weiterhin an Schärfe gewinnen.

Für den E-Commerce:

Auch hier wird es weiterhin Lieferengpässe geben. Vor allem, weil der Onlinehandel stark zunimmt. Bestimmte Bereiche – wie Kosmetikprodukte, Lebensmittel und Alkohol – werden weiterhin boomen. Und Güter mit geringer Onlinepräsenz (insbesondere Luxusmarken) werden es schwer haben.
Ein Hochfahren der Produktion benötigt einen genaueren Blick auf die Gesundheit und Sicherheit aller Mitarbeiter entlang der Lieferkette. Denn ohne Sie…naja, ich denke es ist klar, was dann passieren wird.

Herzlich willkommen in der „Neuen Normalität“

„Während ganze Länder unter Quarantäne gestellt werden und Verbraucher auf der ganzen Welt den Kontakt zu Menschen meiden, versuchen Einzelhändler, sich anzupassen. Sie erkennen, dass die globale Reaktion auf das neuartige COVID-19-Virus einen erheblichen Einfluss auf ihr Geschäft haben wird. Sie wissen, dass sich die Situation täglich ändert. Und sie wissen, dass sie nur wenig Zeit haben, um zu reagieren.“
– René Vader, Global Sector Head, Consumer & Retail, KPMG International.

Wir können also festhalten, dass eine ganze Reihe neuer Herausforderungen vor uns liegen. Aber das ist für Sie keine große Neuigkeit.

Sowohl wie wir leben, wie wir miteinander umgehen, wie wir arbeiten als auch wie wir einkaufen hat sich innerhalb des letzten Jahres grundlegend verändert.

Diversifizieren Sie Ihre Lieferkette.
Sich nur auf einen Zulieferer zu verlassen, kann Ihr Unternehmen bei einem Produktionsstopp in große Schwierigkeiten bringen.
Ein großes Lager? Eher problematisch. Wenn es in China ab morgen einen kompletten Lockdown gibt, der über mehrere Monate andauert – wie viele Unternehmen werden dies überleben? Daraus ergibt sich die Fragestellung, wie Sie in dieser neuen Welt überleben und sogar erfolgreich sein können. Die Unterbrechung Ihrer Lieferkette ist eindeutig eine große Gefahr.

Denken Sie einmal darüber nach, wer Ihre Tier 1 Lieferanten beliefert. Egal, wo Ihre Produkte hergestellt werden, auch die Rohstoffe müssen irgendwo herkommen. Könnte es hier zu Problemen kommen? Falls ja, sollten Sie Notfallpläne entwickeln.

Unterziehen Sie auch Ihre Lieferrouten einer genauen Prüfung. Wenn Ihr Frachter an Hafen 1 nicht anlegen kann, gibt es einen zweiten Hafen, auf den Sie ausweichen können? Die Coronakrise sorgt für eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Für Menschen und Handelsgüter. Stellen Sie daher unbedingt sicher, dass es mehr als einen Weg gibt, auf dem Sie Ihre Güter erhalten und versenden.

Bereiten Sie sich auf wiederkehrende lokale, nationale und international Lockdowns vor.

Angenommen Sie haben Ihren Hauptsitz in Hamburg und erhalten alle Güter aus Bayern. Unter normalen Umständen gar kein Problem. Aber in Bayern gibt es gerade einen erneuten Lockdown. Genauso wie in Kalifornien oder am Hafen von Rotterdam. Infolgedessen können weder Ihre Güter noch Ihre Angestellten und nicht mal Ihre Kunden über die Grenze gelangen.

Ihr Risikomanagement muss auf solche Fälle ausgerichtet sein. Können Ihre Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten? Wie lange können Sie Ihre Firma zusperren? Haben Sie andere Bezugs- und Lagermöglichkeiten für Ihre Waren? Gibt es neue, innovative Wege, Ihre Ware zu verkaufen?
Können Sie neue Mitarbeiter einstellen, wenn die Maßnahmen gelockert werden und die Nachfrage plötzlich wieder ansteigt? Ist Ihr Inventarmanagement 100% zuverlässig?
Mit den richtigen Plänen an der Hand und einer hohen Agilität stellen Sie sicher, dass Ihr Unternehmen mit den schnell wechselnden Anforderungen Schritt hält.

Sorgen Sie für die Sicherheit Ihrer Kunden.

Es kommt wie es kommt. Positiv, wie negativ. Lieferungen kommen nicht an, gehen auf dem Weg verloren oder werden beschädigt. Sie müssen Ihre Türen schließen oder die Anzahl der Kunden begrenzen. Sie müssen dafür sorgen, dass jeder eine Maske trägt und dafür sogar Sicherheitspersonal engagieren.

Einige der Herausforderungen gab es schon immer. Aber die Corona-Krise hat diese noch verstärkt und sorgt für immer neue. Lockdowns betreffen jeden. Einige Kunden nehmen die Maßnahmen ernster als andere. Das bedeutet nicht, dass alle Lockdowns eine komplette Schließung erfordern (In Melbourne, Australien, darf man zwar reisen, aber nur 5km rund um seinen Hauptwohnsitz). Das bedeutet, dass Ihr Unternehmen sich anpassen muss. Im Zweifel Tag für Tag aufs Neue.

Ein entscheidender Punkt besteht hierbei darin, für die Sicherheit aller Beteiligter zu sorgen. Sogar nach fast einem Jahr mit der Pandemie hat sich daran nichts geändert.
Bietet Ihr Geschäfts ausreichend Platz für die Abstandsregelungen zwischen den Kunden? Stehen Desinfektionsprodukte zur Verfügung? Gibt es eine „Ohne Maske kein Zutritt“- Regelung? Werden Regale, Produkte und Gemeinschaftsräume regelmäßig gereinigt?

Auch die Sicherheitsmaßnahmen für Ihre Mitarbeiter und deren Umsetzung müssen beachtet werden. Egal, ob diese Waren liefern, im Lager arbeiten oder an der Kasse oder im Büro sitzen.

Am Ende des Tages ist es wichtig, dass Sie klar kommunizieren. Insbesondere dann, wenn Ihnen die Ware ausgeht oder Sie nicht liefern können.

Denken Sie „outside of the box”

Der stationäre Handel schließt seine Türen, muss Öffnungszeiten limitieren, mit leeren Geschäften leben. Und benötigt daher dringend neue Wege, die Kunden zu erreichen. Sie müssen dort sein, wo Ihre Kunden sind – zurzeit also vor allem zu Hause.
Heutzutage brauchen Sie unbedingt eine digitale Präsenz, die über das Vorhandensein einer Website hinaus geht. Sie könnten eine App anbieten, die Ihren Kunden dabei hilft, die Waren im Geschäft schneller zu finden, eine virtuelle Anprobe, und, und, und.
Das einzige was Sie hierbei limitiert ist Ihre Vorstellungskraft – und Ihr Budget 😉

Dabei gibt es eine technologische Entwicklung, die immer mehr Einsatz findet: Künstliche Intelligenz.
Mit ihrer Hilfe können Sie Kundeninformationen sammeln und analysieren. Sie können so Kundenpräferenzen entdecken und zielgerichtete Angebote machen. Verbessern Sie den Kundenservice. Erkennen Sie Engpässe und bestellen Sie die entsprechenden Produkte automatisiert nach. KI hilft Ihnen dabei, kundenzentrierte Erlebnisse zu schaffen. 

Sie können auch darüber nachdenken, Kundenbindungsprogramme einzuführen, kontaktlose Lieferung anzubieten oder die Abholung einer Online-Bestellung in Ihren Geschäften. Probieren Sie verschiedene Dinge aus – Herausfordernde Zeiten verlangen nach innovativen Lösungen.

Sie betreiben einen E-Commerce-Shop? Dann sollten Sie folgende Tipps berücksichtigen:

  1. Überprüfen Sie kontinuierlich, ob Ihr Service einwandfrei funktioniert und Ihr Shop die zusätzliche Zahl der Online-Shopper gut wegsteckt. Hierbei kann ein Last- und Performance-Test helfen.
  2. Denken Sie darüber nach, wie Sie Lieferungen flexibler gestalten können. Wir unterstützen Sie dabei, Ihre Lieferkette von echten Endnutzer testen zu lassen.
  3. Seien Sie bereit für Veränderungen.
  4. Unterziehen Sie Ihre Lösungen und Lieferketten regelmäßigen Stresstests.

Tipps für stationäre Händler:

  1. Bringen Sie Ihre Online-Lösung so schnell wie möglich zum Laufen – ein End-to-End Test kann Ihnen dabei helfen.
  2. Bereiten Sie sich auf die Wiedereröffnung Ihrer Geschäfte vor und entwickeln Sie angemessene Hygienekonzepte.
  3. Erwägen Sie eine kontaktlose Lieferung – können unterbeschäftigte Mitarbeiter eventuell die Lieferung übernehmen?
  4. Nehmen Sie sich Zeit, um über neue Einnahmequellen nachzudenken.

Neues Jahr, neue Hoffnungen, neue Möglichkeiten

„Gerade mag die Welt düster erscheinen. Aber die Händler, die sich der Herausforderung stellen und die entstehenden Trends aufgreifen, können gestärkt aus der Situation hervorgehen und Ihren Angestellten, Kunden und Stakeholdern eine positive Zukunft bescheren.“
– Deloitte.

Die Pandemie traf uns alle unerwartet und mit unvorhersehbaren Auswirkungen.

Niemand kann genau sagen, wie die Industrie nach der Pandemie aussehen wird. Aber dennoch gibt es Anlass zur Hoffnung.
Die ersten Länder haben bereits angefangen, die Bevölkerung zu impfen. Die Kunden gewöhnen sich an die neue Normalität. Und Sie werden vorbereitet sein: Mit innovativen Lösungen für Ihre Lieferkette, kreativen Marketingstrategien und einer ausgereiften Customer Experience.

Indem Sie jetzt die richtigen Maßnahmen treffen, sind sie bereit für ein erfolgreiches Jahr 2021.

Gerne unterstützen wir Sie bei der Entwicklung neuer digitaler Lösungen oder der Stärkung Ihres Online-Geschäfts. Gemeinsam stellen wir sicher, dass Ihre Produkte sich jeder Herausforderung stellen können. Kontaktieren Sie uns:

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